Pfälzerwald 2022: Holzen, Schottern und kein Halten


In den vergangenen Wochen erhielt unsere Initiative wieder verstärkt Hinweise aus der regionalen Bevölkerung über massiv durchgeführte Fäll – u. Forstarbeiten im Biosphärenreservat Pfälzerwald. Aktuell davon betroffen sind Bereiche am Beginn des Weilers Iptestal (Lambrecht), auf Johanniskreuz und die geräumige Aufschüttung einer Talsenke bei Annweiler.

So beschreibt es z. B. Nicole Faust (40 J.):

„Ich bin in Waldfischbach-Burgalben aufgewachsen und unser Wanderradius erstreckte sich von dort, bis Heltersberg und Johanniskreuz. Vor 20 Jahren war dieses Gebiet dicht bewachsen. Eben ein echter Wald, in der die beste Biodiversität herrschte. Wie es aber jetzt dort aussieht, ist kaum in Worte zu fassen! Es herrscht dort das reinste Chaos. Am 25.02.22 bin ich dort nach längeren Jahren den Themenweg „Spurensuche“ gewandert. Was ich dort sehen musste machte mich sehr traurig. Das kann nicht alles dem Klimawandel und dem daraus resultierenden Borkenkäfer geschuldet sein!“

Natürlich sprechen bzw. schreiben wir ob dieser Zustände die verantwortlichen Stellen an und haken entsprechend nach. Die Antwort darauf gibt exakt die Statements wieder, die schon seit Langem in der regionalen Presse durchgekaut werden:

Ja, das Biosphärenreservat Pfälzerwald sei ein gewichtiger Wirtschaftsstandort zur Gewinnung und Vermarktung des grünen Goldes. Ja, Forst -u. Fällarbeiten blieben dabei natürlich nicht aus. Ja, die Durchführung der notwendigen Arbeitsgänge mittels schwerer Erntegerätschaften sei natürlich für den nostalgisch veranlagten Laien nicht immer und nur schwer nachvollziehbar. Aber alles sei ja nur halb so schlimm, denn schließlich ist ein seit Generationen bewirtschafteter Wald darin geübt, den für ihn zuständigen Forst zu ertragen.

Aber macht man es sich hier nicht viel zu einfach?

Einerseits wird die zuständige obere Chefetage in Mainz nicht müde, sich über den miserablen Erhaltungszustand der rheinland-pfälzischen Wälder zu beklagen, anderseits kommt man dort erst gar nicht auf die Idee, die Art und Weise der Bewirtschaftung auch nur im Ansatz auf den Prüfstand zu stellen, im Gegenteil. Die eingesetzten Erntemaschinen wurden in den vergangenen Jahren immer größer und schwerer, die Rückegassen immer gravierender und ein massiv aufgeschottertes Wegenetz immer breiter.

Einen anderen Weg der Bewirtschaftung seiner Forstflächen im Biosphärenreservat möchte nun Kaiserslautern einschlagen. Dort soll künftig nach dem Vorbild des Lübecker Modells der Stadtwald gehegt und gepflegt werden. Ein Beispiel, dass eigentlich Schule machen sollte, was aber leider nicht zu erwarten sein wird. Schade eigentlich!

04.03.22 (ds)