Landschaften – Spiegel unserer Gesellschaft


Landschaften entstehen im Zusammenspiel von Natur und Zivilisation, sie verändern sich im Laufe der Zeit. Landschaftsschutz möchte die naturgewachsenen und menschengeformten Elemente einer Landschaft in ein ökologisch, sozial und ästhetisch ausgewogenes Verhältnis bringen und darin erhalten. Wo Eingriffe in naturnahe Gebiete unabweisbar sind, müssen angemessene Größenverhältnisse gewahrt werden.

Landschaftsschutz geht somit über Naturschutz hinaus, er ist eine kulturelle Daueraufgabe!

Naturnahe Landschaften sprechen uns an, wir empfinden sie als schön. Sie sind vielfältig, nicht steif und doch geordnet. In diese Landschaften fallen große Bauwerke, besonders technische aus dem Rahmen, wegen ihrer eintönigen Strenge. Windräder – heute bis zu 250 m hoch – sprengen jegliches Größenverhältnis! (1)

Blick von Ruine Neuscharfeneck über Dernbach in den Wasgau© rab

 

Eine Studie von T. Plieninger und Mitarbeiter an einer sozial ausgewogenen Bevölkerung ergab folgende meistgeschätzte Eigenschaften von Landschaften: (2)

Naturnähe
Landschaftsbild
Ruhe
frische Luft
Sauberkeit
Möglichkeit sozial einbindender Aktivitäten

Die Möglichkeit, solche Landschaften zu erleben, trägt wesentlich zum Wohlbefinden der Menschen bei – und damit auch zur Stabilisierung sozialer Gemeinschaften. Es ist ein weitverbreitetes Bedürfnis. Ist die Möglichkeit nicht gegeben oder wird sie entzogen, führt solcher Mangel mutmaßlich zu sozialschädigendem Verhalten. Einen deutlichen Hinweis darauf gab eine Untersuchung in England. (3)

 

Frankfurt, tolle Stadt – aber tagaus tagein und nie Natur erleben?© I. Link pixabay

 

Dann lieber ab und an hier verweilen:

 

Moosbachweiher bei Dahn© rab

 

Noch was für Systematiker:

Was unterscheidet Naturpanoramen von Architektur -u. Technik geprägte Panoramen?

Ich wähle die Menge der jeweils beobachtbaren Einzelheiten als Kennzeichen: (4)

Kennzeichen der Natur:
Die Menge des Beobachtbaren ist jeweils nahezu unbegrenzt hinsichtlich der Vielfalt an Elementen, deren Formen und Größe.

Kennzeichen der Architektur und Technik:
Die Gesamtheit des Beobachtbaren ist jeweils begrenzt hinsichtlich der Anzahl und Vielfalt an Elementen, deren Formen und Größe.

 Natürliche Systeme einerseits, architektonische und technische Systeme andererseits zeigen intern jeweils Selbstähnlichkeit*), jedoch nicht wechselseitig. Erstere sind gewachsen, Letztere menschlich konstruiert. Daraus wird verständlich: In der Natur langweilt man sich kaum; kann man aber nur auf Häuser und technische Anlagen schauen, kommt bald der Überdruss!

 

12.02./08.08.2021 (rab)


Quellen:

  1. https://www.pollichia.de/images/Mitteilungen-der-POLLICHIA-Band-100.pdf  (K.H. Bublin, R. Ahrens-Botzong)
  2. https://www.uni-kassel.de/fb11agrar/fachgebiete-einrichtungen/ses-dach/fachgebiet-sozial-oekologische-interaktionen-in-agrarsystemen/mitarbeitende/detailseite/person/1208-Tobias-Plieninger.html
  3. https://www.mdpi.com
  4. Rudolf Ahrens-Botzong (unveröffentlicht)
  5. *) im weiteren Sinne wird der Begriff „Selbstähnlichkeit“ auch in der Philosophie sowie in den Sozial -u. Naturwissenschaften verwendet, um grundsätzlich wiederkehrende, in sich verschachtelte Strukturen zu bezeichnen