Information & Diskussion in Neustadt – 21. 11. 2015


Bürgerinitiativen gegen Windkraft :
„So kann es nicht weiter gehen“

Informations- und Diskussionsveranstaltung in Neustadt / Weinstraße

Am 21. November 2015 konnte man sich rund um das Thema Energiewende informieren und anschließend diskutieren. Eine Ausstellung informierte über die Positionen der Bürgerinitiativen unter dem deutschlandweiten Dach Vernunftkraft.

Eingeladen hatten vier Landesdachverbände Energiewende-kritischer Bürgerinitiativen zusammen mit dem Bundesdachverband Vernunftkraft, worin rund 650 Bürgerinitiativen zusammengeschlossen sind. „Energiewende Erkennbar Gescheitert“ war das Motto der Veranstaltung, gescheitert eine Wende deren Hauptsäulen die Windkraft und Photovoltaik sind.

Rund 500 Teilnehmer füllten den repräsentativen Saalbau, darunter auch Vertreter anderer Meinungen.

Obwohl eingeladen, waren die Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und die Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Bündnis 90/Die Grünen) nicht dabei, sie hatten auch keine Vertretung geschickt.
Symbolisch saßen Strohpuppen in der ersten Reihe – politischer Humor gehört in der Pfalz auch dazu.

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Friedliche Runde mit Ministerpräsidentin und Ministerin. Politisch Verantwortliche beschimpfen windkraftkritische Bürger nicht, sie hören ihren Wählern zu – alle Politiker sollten das!
Foto: © Walter Stutterich

Der Einladung gerne gefolgt waren

Christian Baldauf, im Bundesvorstand der CDU und 1. Stellvertretender Landesvorsitzender RLP,
Dr. Volker Wissing (Landesvorsitzender der FDP RLP) sowie
René Rock, Mitglied des hessischen Landtages und des FDP-Landesvorstands.

Baldauf beteiligte sich später auch an der Podiumsdiskussion mit Jean-Louis Butré, Präsident der EPAW (er war eigens aus Paris angereist), Dr. Detlef Ahlborn, Windkraftexperte, Dr. Nikolai Ziegler, Vorsitzender von Vernunftkraft, Naturschützer Harry Neumann, Dr. Jürgen Ott, Präsident des Naturschutzverbands Pollichia sowie Alexander Wendt, Autor des Buchs „Der grüne Blackout.“

Der Oberbürgermeister von Neustadt, Georg Löffler, sprach das einführende Grußwort – wofür er schon im Vorfeld kritisiert wurde (was zeigt, dass die Veranstaltung einen Nerv traf). Doch in der Stadt, wo 1832 Menschen für freie Meinungsäußerung auf die Straße gingen, müsse man andere Meinungen gelten lassen, so Löffler. „Ich kann hier keine Extremisten erkennen“, sagte er, selbst ein Freund von Erneuerbaren Energien.

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Ein interessiertes und aufmerksames Publikum
Foto: © Pfalz-Express

Dann sprach Dr.-Ing. Detlef Ahlborn: Windkraft spaltet das Land, zerstört Natur, ist kontraproduktiv und teuer. „Weder Wind noch Sonne noch beide zusammen können uns bedarfsgerecht versorgen.“ Er erklärte das anhand physikalischer und technischer Zusammenhänge:

Die Grundlast, sinngemäß dass Tag und Nacht ausreichend Strom zur Verfügung steht, können Windräder und Photovoltaikanlagen wegen der starken Angebotsschwankungen (Flauten, Nacht) nicht abdecken. Kein konventionelles Kraftwerk konnte man bislang durch die Energiewende abschalten, sie müssen ständig ausgleichen oder dafür bereitgehalten werden. Das verschlingt viel zusätzliche Energie, zudem setzt man hier billige Kohle ein. Deshalb wurde die CO2-Emission in Deutschland bisher auch nicht gemindert!

Die politische Aussage, dass 30 Prozent des Stromes aus Erneuerbaren Energien stammen, „klingt auf den ersten Blick fantastisch“. Dennoch decken Wind- und Sonnenenergie derzeit weniger als 5 Prozent des gesamten Energiebedarfs in Deutschland. Der Strombedarf privater Haushalte beträgt rund 25 Prozent des gesamten Strombedarfs und dieser nur rund 20 Prozent des gesamten Energiebedarfs.   *)

„Das bedeutet, selbst wenn alle Bürger auf Erneuerbare Energien umstellen würden, wären erst weniger als 5 Prozent der Energiewende geschafft!“ Überdies gibt es noch die Industrie, sie ist auf eine zuverlässige Energieversorgung angewiesen.

Strom muss bedarfsgerecht erzeugt werden, das heißt auf die Sekunde genau dann, wenn man das Licht, den Herd einschaltet. Die häufig empfohlene Lastverteilung – zum Beispiel waschen nur nachts – geht allenfalls in engen Grenzen. Viele Industrieprozesse, wie Schmelzöfen, erlauben keine Unterbrechung.

Entgegen häufiger Beteuerungen ergänzen sich Windkraft und Photovoltaik nicht: Nachts weht oft kein Wind, tagsüber ist es oft bewölkt, häufig herrscht sogar in ganz Mitteleuropa eine ähnliche Wetterlage. Marktreife, hinreichende Pufferspeicher für Wind- und Sonnenstrom sind jedoch nicht in Sicht, betonte Ahlborn.

Eine weitere Pointe: Weil der Wind nicht immer weht, bringen die Windräder nur etwa 18 Prozent der installierten Nennleistung! Photovoltaik liefert nur an 900 von 8640 Jahresstunden mit voller Kraft.

Windkraft fügt Menschen, der Natur, unseren Kultur- und Naturlandschaften große Schäden zu. Der Nutzen hingegen ist gering. Daher fordern die deutschen Dachverbände ein sofortiges Moratorium des Windradbaus!

Das Gleiche forderte Jean-Louis Butré, Präsident der EPAW European Platform Against Windfarms.
Sie vertritt über 900 Bürgerinitiativen in ganz Europa.

Harry Neumann, ein weithin bekannter Naturschützer in Rheinland-Pfalz, berichtete aus erster Hand über die verheerenden Folgen des Windkraftausbaus auf die Natur, vorallem viele Vogelarten. Unabhängige Gutachten gebe es kaum, die Projektierer selbst geben sie meist in Auftrag. „Gefährdete Vögel fliegen in diesen Gutachten grundsätzlich immer in eine Richtung – weg von den Windrädern.“

Bemerkenswert: Im Vorfeld von Windrad-Planungen würden auffällig viele Bauarbeiten durchgeführt. Häufig würden auch Horste beiseite geschafft oder geschützte Vögel wie der Rotmilan vergiftet.

Germania corrupta? (Fragt der Berichterstatter.)

Dr. Nikolai Ziegler stellte die politischen Positionen und Aktivitäten von Vernunftkraft dar (siehe die ausführliche Darstellung im Internet).

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Blick in das gut besuchte Foyer
Foto: © Walter Stutterich

Nach den Fachvorträgen kamen die Politiker zu Wort.

Christian Baldauf betonte, dass die Energiepolitik der rot-grünen Regierung in Rheinland-Pfalz aus Sicht seiner Partei fehlgeleitet sei. Er werde sich dafür einsetzen, dass das Landesentwicklungsprogramm (LEP, Teil IV) geändert werde, dass die regionalen Planungsinstanzen wieder die Verantwortung bekämen, zur Verhinderung eines Windrad-Wildwuchses. „1000 weitere Windräder wird es mit der CDU definitiv nicht geben“, sagte er.

Dr. Volker Wissing (FDP) teilte mit, dass der Vorsitzende des BUND Rheinland-Pfalz, Dr. Holger Schindler, ihm geschrieben habe, er solle auf dieser Veranstaltung nicht sprechen, er wisse vermutlich nicht, „mit welchen Leuten er es dort zu tun habe“.

Doch auch er sah keinen Grund, sich nicht der Diskussion zu stellen. Anders als der energiepolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Bernhard Braun – dieser hatte die Windkraftgegner eine Woche zuvor im Landtag als Extremisten und Atomlobbyisten bezeichnet – sehe er das bürgerliche Engagement der Bürgerinitiativen ausgesprochen positiv. Die FDP sehe die dringende Notwendigkeit, wieder zu einer vernünftigeren, mehr nach marktwirtschaftlichen Regeln orientierten Energiepolitik zurück zu kehren.

René Rock (FDP Hessen) fand drastische Worte: „Wir wissen, die anderen glauben – Wir müssen endlich Maß und Mitte finden und dürfen uns Argumenten nicht verschließen!“

Zur Podiumsdiskussion kamen außer den Referenten noch hinzu: Alexander Wendt, Redakteur bei Focus und Autor des Buchs „Der grüne Blackout“, und Dr. Jürgen Ott, Vorsitzender des Traditions-Naturschutzverbands Pollichia.

Im Anschluss wurde lebhaft und ausdauernd diskutiert. Vertreter grüner Positionen waren dabei und mit Vielem nicht einverstanden – verständlich. Ein Zuhörer mit Spitzhut aus Alufolie beschimpfte das Publikum gar mit „Ihr seid Pegida“.

Gemeinsame Positionen lagen in weiter Ferne. Immerhin waren die Diskutanten darin einig: So kann es nicht weitergehen! Eine neue Sicht seitens der Politik, der Wirtschaftsweisen, grundlegende Veränderungen unseres Lebensstils sind nötig! Ob mit oder ohne Windrädern, das müsse jeder Bürger nach Abwägung der Fakten für sich selbst entscheiden.

(rab)

Quelle:  Pfalz-Express: Bürgerinitiativen gegen Windkraft im Saalbau: „So kann es nicht weiter gehen“


*)
Dr. Ahlborn veröffentlichte umfangreiche Daten auch in seinem Vortrag am 9. Juli 2015 in Weinheim
( http://gegenwind-weinheim.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/07/Vortrag-Weinheim.pdf ).

Die 24 000 Windräder, welche 2013 in Deutschland installiert waren, trugen 7,9 % zur Bruttostromerzeugung bei, die Photovoltaikanlagen 4,5 %. Die Bruttostromerzeugung betrug etwa 630 TWh ( 1 TWh = 1 Mrd kWh ).

Zur Deckung des deutschen Primärenergiebedarfs trugen die Windräder im Jahr 2013 nur 1,2 Prozent bei!


An diesen Zahlen kann man auch erkennen, dass der Speicherbedarf zum Glätten des stark schwankenden Wind- und Sonnenstroms in der Größenordnung von zehn bis einhundert TWh liegt.

Zur Deckung des deutschen Stromverbrauchs im Jahr 2013 trugen die sogenannten Erneuerbaren Energien rund 25 % bei.

Die energiebedingten CO2-Emissionen in Deutschland betragen insgesamt rund 2,5 % der entsprechenden weltweiten Emissionen.

(rab)


Links zu weiteren Berichten:

EPAW (European Platform Against Windfarms)

Vernunftkraft – hier finden Sie außerdem sämtliche Vorträge als einzelne Videos

Bündnis Energiewende für Mensch & Natur e.V.

Links zu den Vorträgen und Reden:

Hans Georg Löffler (OB Neustadt) & Lois Buttré (Leiter EPAW)

Dr.-Ing. D. Ahlborn

Harry Neumann

Christian Baldauf (CDU)

Volker Wissing (FDP)

René Rock (FDP Hessen)

Nikolai Ziegler